Vancouver Island – die wilde Schöne

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Sonnenuntergang auf Vancouver Island

Ein brauner Fleck da hinten am Strand. Doch. Er bewegt sich. Er wird langsam größer, wir schippern näher heran. Unser Guide hat Argusaugen. So langsam erscheinen die Umrisse eines braunen mindestens menschengroßen Tieres am Strand einer unbewohnten Halbinsel hinter Flores Island nördlich von Tofino auf Vancouver Island.

Bear-Watching

Wir sind auf einer Ausflugstour zu den natürlichen heißen Quellen von Flores Island Unsere kleine Nussschale auf dem großen Pazifik schaukelt noch ein wenig näher heran. Nicht nur *ein* Bär – wahrscheinlich eine Bärin – nein, sie hat auch noch ihre zwei Bärenkinder dabei. Auf einmal bin ich heilfroh auf einem Boot zu sein und nicht in die Tatzen dieser Geschöpfe zu geraten. Auch wenn sie irgendwie kuschelig aussehen.

Von uns lassen sie sich allerdings nicht stören, die drei suchen weiter nach Pflanzen und vielleicht Kleintieren zwischen den weißen Felsen am Strand. Zu 80% sollen sich die braun-schwarzen Schwarzbären sogar vegetarisch ernähren. Ein Glück.

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Bärin mit cubs auf Vancouver Island

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Vancouver Island – zweitgrößte Insel Kanadas

Vancouver Island liegt eine fast zweistündige Schiffsreise von Horseshoe Bay auf dem Festland im Norden Vancouvers entfernt. Die Insel ist sehr weitläufig – in etwa so groß wie der ganze Staat Israel – von Ost nach West, vom Hafen in Nanaimo bis zum Ende der Straße in Tofino sind es drei kurvige Autostunden.

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Vancouver verabschiedet sich am Horizont

Wir fahren durch endlosen Wald, über Gebirgsflüsse, an  glassklaren Seen vorbei, die zum Baden einladen. Uralte Küstenredwoods säumen den Weg. Nördlich der Strecke gibt es einfach keine Straßen mehr. Hier ist Bären- und Wolfsland, Wildnis.

Früher eine kleine Surferstadt – Tofino

Tofino liegt am Ende der Straße. Hier geht es nicht weiter, zumindest nicht mit dem Auto. Die Halbinsel ist der „last outpost of civilization“, jetzt kommt nur noch der Pazifik.Das Am-Ende-der-Welt-Gefühl verstärkt sich durch Warnschilder vor Wölfen und Bären. Für uns Großstädtler bringt das ein fast mulmiges Gefühl mit sich, die Natur hat hier die Macht, nicht der Mensch.

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Tofino sunset colours
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Hier endet der Transcanada Highway am Meer

Tofino, der ehemals kleine romantische Surferort, ist seit einigen Jahren stark kommerzialisiert. Schicke Hotels reihen sich aneinander. Das Image einer Surferstadt hängt der Stadt noch nach. Hier und da steht ein alter VW-Bus, ein paar Hipster, aber die alte Coolness ist einem Lodge- und Touranbietergesicht gewichen. Familienurlauber und ältere Reisende bestimmen das Bild. Uculet, die kleine Schwester von Tofino – einen halbe Autostunde weiter südlich, 7 miles vom Visitor Center entfernt –  hat diesen Charme nun wohl für sich eingenommen.

Der Markt von Tofino – fine handcraft

Eine junge Sängerin mit rauchiger, lebenserfahrener Stimme, die an PJ Harvey erinnert, singt mit Herzblut eigene und Cover-Songs auf einem kleinen Podest. Nur begleitet von ihrer eigenen Gitarre. Locals und Touristen schlendern zur Musik der begabten Musikerin durch die drei Reihen des kleinen Tofino Public Market. Ein Sehen und Gesehenwerden der symphatischen Art.

Es ist ein sonniger Samstagmittag. Auf dem Village Green an der Campbell Street verkaufen Locals nicht nur ihre biologisch angebaute Lebensmittel, sondern vor allem Kunsthandwerk und Selbstgemachtes.

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Tofino Public Market auf Vancouver Island

Upcycling liegt in Tofino voll im Trend

Kunstvolle Karten mit Aquarellen, Selbstgezimmertes, Selbstgebackenes, Selbstgefundenes. Upcycling liegt hier vollstens im Trend. Aus alten Schiffstauen werden Matten und Körbe, aus Treibholz werden Bücherregale und Kisten. Da stimmt die Ökobilanz. Das ist nicht nur cool und chic, sondern auch Gutmensch und local.

Ahoy_Bags

Seit 2013 sind hier auch die zwei Aussteiger Jens und Nelly Heyduck vertreten. Mit ihren selbstdesignten und selbstgenähten Ahoy-Bags kommen sie nicht nur bei Touristen gut an. Mittlerweile haben sie Fans auf der ganzen Welt.

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Ein Segeltuchtaschentraum!
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Der Marktstand von Ahoy Bags auf dem Tofino Public Market

Auch sie sind voll im Trend – Nelly und Jens cyceln die einzigartigen Vintage-Segel von ortsansässigen Bootsleuten up, die ansonsten im Müll landen würden. So entstehen Unikate, jede Tasche hat ihre ganz eigene Geschichte und ihre eigenen Gimmicks.

Hier sind die beiden zu finden: https://www.instagram.com/ahoy_bags/ oder unter http://www.ahoybags.com/.

Vancouver Island der Superlative: Heiße Quellen und Wale

Nach gut eineinhalb Stunden hat das Schaukeln ein Ende. Das kleine Boot von Clayoquot-Tours, nicht nur empfehlenswert wegen des First-Nations-Bootsführers, legt endlich auf Flores Island an.

Wir erreichen die natürlichen heißen Quellen nach einem halbstündigen Fußmarsch über Holzplanken durch den Coast-Redwood-Oldgrowth-Forest. Bemooste Äste, übergroße Baumstämme und Luftwurzeln säumen den Weg.

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Flores Island

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Urwald auf Flores Island

Das Wasser sprudelt und qualmt sich über die Felsen. Hier kommt die Erdwärme in Form von H2O direkt zum Vorschein. In den unteren Becken suhlen sich Urlauber auf ähnlichen Touren, lassen sich das heiße Quellwasser über Beine, Arme, Bäuche und Köpfe laufen und blicken aufs Meer oder in ihre mitgebrachten Bierflaschen.

Das Wasser ist erstaunlich warm, in den unteren Becken kühlt es etwas mehr ab.  Oben ist noch Platz. Nachdem der Barfußparcours über die Felsen überstanden ist, belohnt das Badewannenwasser mit natürlich eingebautem Duschstrahl und beglückt. „Wie kraftvoll die Erdwärme ist“, schießt es mir durch den Kopf. Dabei bin ich froh, dass mir hier kein Lava auf den Kopf fließt.

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Riesen des Meeres – Wale in Sicht

Einer der Urwünsche eines jeden Kanadaurlaubers: Wale sehen. Auf der Hot-Springs-Tour wird den Besuchern so einiges Geboten – Garantie für Tiersichtungen gibt es natürlich keine. Ist eben Natur.

Auf der Rückfahrt biegt unser kleines Boot anders ab, fährt weiter durch das Archipel in Richtung offene See. Die Spannung an Deck ist groß. Werden sie sich zeigen? Der Motor verlangsamt sich, es ist starker Wellengang. Hin und hergeshakt werden wir, kaum ein ruhiger Moment.

Ein Ehrfurchtsmoment

Plötzlich wölbt sich ein riesenhafter Rücken in einem Wellental aus dem grauen Nass heraus – ein Grauwal! Er springt nicht – das tun sie wohl nur für Geo-Magazinbilder. (Vorher von Reportern mit einer besonders großen Portion Plankton bestochen. Und Grauwale sind nun mal keine Buckelwale.)

Aber das macht gar nichts – die Ruhe und Gelassenheit des riesigen Wesens neben mir im Abendsonnenschein zwischen den wilden Inseln, erfüllen mit immenser Ehrfurcht. Die Welt ist gut, die Natur ist ein Teil von mir, ich ein Teil von ihr.

Einen Augenblick später taucht die Schwanzflosse des Grauwals aus dem Wasser und verschwindet gemächlich wieder. Ist es nun schon vorbei? Bevor der Gedanke wirklich Fußfassen kann, gleitet der nächste Rücken just neben dem ersten aus dem Wasser, lässt uns Menschen wundern, wie groß, wie schön, sie sind.

Wale beim Spielen beobachten

Das Boot fährt näher heran. Sind sie nun unter uns? Sie könnten unser Nussschälchen ohne Mühe einfach mit der Schwanzflosse umschupsen. Aber irgendwoher weiß ich, dass sie das nicht tun würden. Da taucht wieder der erste auf, dann wieder der zweite. Einer prustet eine kleine Wasserwolke aus seinem Atemloch, dann verschwinden sie wieder in der grauen Tiefe.

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Die Grauwale scheinen nicht scheu, sie ignorieren entweder das Boot, oder sind neugierig. Vielleicht ist es ihnen auch einfach egal. Auf ihrem langen Weg in den Süden werden sie noch viele Boote sehen, viele tausend Kilometer zurücklegen. Hier in Tofino ist es ein angenehmer Zwischenstop für sie auf dem Weg in die mexikanischen Brutstätten zum Überwintern.

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Grauwale können am längsten

Grauwale wandern bis zu 16.000 km im Jahr, werden bis zu 15 Meter lang und wiegen bis zu 34 Tonnen (tragende Weibchen). Im Atlantik sind die Großsäuger bereits seit dem 17. Jahrhundert ausgerottet. Hier im Ostpazifik hat sich ihr Bestand wieder erholt, ihre Art gilt „nur“ noch als gefährdet, nicht mehr als „vom Aussterben bedroht“. Ihre westpazifischen Artgenossen allerdings sind genau das. Von ihnen gibt es nur noch ca. 100 Tiere, von den ostpazifischen sind es immerhin ca. 21.000.

Walschutz

An dieser Stelle möchte ich auf Möglichkeiten der Unterstützung für den Schutz der Meeresbewohner hinweisen, denn wir alle können etwas für deren Erhaltung tun:

  1. Weniger bzw. keinen Fisch essen! Auch Wale, nicht nur Delfine gehen oft als „Beifang“ drauf. Durch Überfischung leiden auch nicht nur Fische, sondern andere Tierarten stehen kurz davor, mit ausgerottet zu werden. Ohne Lachs gibt es zum Beispiel keinen Adler. http://www.provegan.info/
  2. Natürlich setzen sich der WWF für Wale ein:  http://www.wwf.at/de/grauwal/
  3. Besonders die Organisation „Sea Shepherd“ finde ich unterstützenswert. Ähnlich wie Greenpeace setzt sich Sea Shepherd für Tiere des Meeres ein. Dabei kämpfen sie sogar gegen japanische Walfänger in der Antarktis. Außerdem haben sie einen guten Onlineshop mit tollen Produkten, durch deren Kauf man sie ebenfalls unterstützt: https://www.sea-shepherd.de/

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Wer noch mehr über Walbeobachtungsmöglichkeiten an der Westküste der USA erfahren möchte, hier ist ein guter Link: http://gowest-reisen.de/unterwegs-im-wohnmobil/wale-beobachten

Victoria – das britische Dorf

Manch einer mag es nicht glauben: Victoria ist die Hauptstadt des Staates British Columbia (BC), nicht Vancouver.

Victoria präsentiert sich typisch: regnerisch. Die buntbemalten höchstens dreistöckigen Häuser birgen urige Geschäfte und Cafés. Die Innenstadt ist sehr überschaubar, ein Stadtbummel lohnt sich. Vom Hafen starten alle Nase lang Wasserflugzeuge.  Ansonsten bekommt der Besucher schnell das Gefühl, in einem englischen Dörfchen gelandet zu sein.

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Shopping in der Hauptstadt Victoria, BC

Gute Microbreweries gibt es hier, insbesondere die Kneipe Garrick’s Head Pub an der Ecke View Street/Government Street offeriert ordentlichen Gerstensaft. (Googlemaps link)

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Pub am Hafen von Victoria

Das Regierungsgebäude von British Columbia

Die British Columbia Legislature ist in einem historischen Gebäude untergebracht, dass etwas südlich der Innenstadt am Hafen gelegen ist. Hier werden kostenlose Touren angeboten. Auch ohne Tour kann das Gebäude tagsüber besichtigt werden. Bei Nacht leuchtet der Palast weihnachtlich über den Hafen.

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British Columbia Legislature Building, Victoria, BC

Alles schön und gut, tolle Insel, nettes Städtchen, nur eins will nicht so recht in meinen Kopf: Warum zum Teufel soll dieser Brei aus fritierten Kartoffeln und Bratensoße, Poutine genannt, das Nationalgericht Kanadas sein?

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Pommes mit Bratensauce (hier vegan), Poutine

Doch man muss es wohl mal getestet haben…

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