Abschied vom Paradies -Überfahrt von den Perhentian Islands

„Vaffanculo!“

 

Der hitzköpfige italienische Familienvater brüllt die üble Verleumnung quer über die türkisstrahlende Bucht im friedlichen Morgensonnenschein. Das kleine Taxiboot knattert mit voll aufgedrehtem Außenborder zum Long Beach zurück. Da, wo das Boot gerade noch war, treiben nur noch ein kleiner Sandeimer und ein Plastikspielzeug im türkisen Wasser.

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Nach einer Woche friedlichem Urlaubs auf der kleinen Insel Perhentian Kecil ist dieser Morgen auf einmal voller Action, filmreif. Und ungewohnt bewölkt ist er auch noch.

Plötzlich reißt sich der Italiener blitzschnell das T-shirt vom Leib und bellt den Bootsfahrer bestimmend an: „Wait one minute!“ Er stürzt sich kopfüber in die lauwarmen Fluten. Nach ein paar Kraulzügen hat der kräftige Schwimmer das dahintreibende Kinderspielzeug seines Sohnes erreicht.

Der Taxibootfahrer hatte das Spielzeug zuvor vor Wut ins Meer geschleudert und damit fast eine handfeste Schlägerei mit dem italienischen Hitzkopf angefangen. Nun kehrt der Italiener siegessicheren Gesichts und mit den wiedererlangten Trophäen zum Schnellboot zurück. Wir schauen dem unwirklichen Schauspiel staunend zu. Wir wollen doch nur aufs Festland zurück!

Abfahrt nach Kuala Besut – was war geschehen?

Die Vorgeschichte zum Kurzdrama ist schnell erzählt: Der Italiener hatte einfach keine Lust gehabt, die „Abzocke“, die 50 Cent pro Person, für ein an sich überflüssiges Taxi zu zahlen. Ein Taxi, dass ihn vom Strand zum Schnellboot bringt. Wobei das Schnellboot genauso gut an der „Jetty“, dem Bootssteg, hätte halten können. Da könnten die Touristen bequem ein- und aussteigen. Man bräuchte kein Taxi.

Das würde aber bedeuten, dass die Taxibootfahrer eine Einkommensquelle weniger hätten. Die Vetternwirtschaft wirkt. Hier gelten nicht unsere Regeln. Der Tourist ist ausgeliefert.  Selbst wenn er sich auflehnt.

Das Spiel wiederholt sich allmorgentlich. Willkommen im Paradies.

Auf dem Schnellboot: Touriabzocke hoch zwei?

Das Schauspiel ist noch nicht zu Ende. Und es ist erst sieben Uhr morgens. Die Stimmung an Bord liegt schon ordentlich im Argen.“12 people, only 12 people allowed on fast boat“ hatte uns der Taxibootfahrer zugeraunt, der uns die 50 cent abgeknüpft hat.

Gerade sind wir zu acht, genug Platz für Rucksäcke und Koffer. Von Perhentian Kecil hüpfen wir von Wellenkamm zu Wellenkamm in Richtung Perhentian Besar, die größere, etwas noblere Schwesterninsel. Es warten an einem Bootssteeg weitere fünf Personen auf uns. Nun wird es eng. Weiter geht es in Richtung Festland…denken wir… doch der junge  Bootsführer mit der dicken Sonnenbrille steuert einen weiteren Bootssteg an – hier wartet eine Familie mit zwei Kindern und zwei Stöckelschuhdamen. Protest im Boot. Rufe, sie sollen nicht einsteigen – es sei zu gefährlich, das Boot sei voll – werden ignoriert. Der Fahrer lotst alle ins Boot, hilft den Stöckelliesen eigenhändig. Rücksäcke und Koffer werden übereinander geschmissen, Kinder und Freundinnen auf Schöße verfrachtet, Hintern aneinander gequetscht. Überladen.  Das fühlt sich nicht gut an.

 

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Eine Frage der Sicherheit

12  Personen – so ist es auch im Internet nachzulesen – seien auf diesen Schnellbooten zugelassen. Den Reibach macht man aber nur mit überladenen Booten. Gibt es genug Rettungswesten, fragt sich der besorgte Westler. Das Boot legt ordentlich an Speed zu.  Plötzlich bremsen wir abrupt aus voller Fahrt ab  – ahnungslose Gesichter im Boot. Die Antwort ist in einiger Entfernung zu sehen. Ein Boot – allem Anschein nach ein Polizeiboot. Es biegt ab und verschwindet zwischen den Trauminseln. Wir düsen wieder los in die andere Richtung. 23 Personen plus Fahrer sind an Bord. Die malaysische Familie mit zwei Kleinkindern scheint keine Sorgen zu haben. Die wenigsten Malaysier können schwimmen.

In einer halben Stunde erreichen wir Kuala Besut. Mit uns kommen zig weitere überladene Schnellboote im Hafen an. Der Himmel reißt endlich auf.

Ein ganz normaler Morgen im Paradies.

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