Roadtripping in W. A. – Von Broome nach Darwin: Teil 1

Ein Paartanz? Zwei Flaschen? Ein zu groß geratenes Wurzelgemüse? Zwei vernarrte Narren?

Boab Trees beflügeln die Phantasie. Fast menschlich sehen sie dabei aus, wenn sie sich liebevoll umeinander schlingen. Das einsame Kimberley in Western Australia ist die einzige Region in Australien, wo die urigen Gewächse wie Unkraut sprießen. Auf dem Roadtrip zwischen Broome und Kununurra säumen die freundlichen Riesen den Highway und versüßen die lange Fahrt.

Komm mit auf meine Reise von Darwin nach Kununurra im knackig heißen australischen Winter.

Es ist schon dunkel, als wir den Platz für die Nacht erreichen. Ein karger „Campingplatz“ direkt neben der Hauptstraße muss herhalten. Morgen wollen wir noch eine Menge Kilometer abreißen, da muss ein einfacher Nachtplatz reichen – eben da, wo man gerade ankommt. Immerhin gibt’s ein Dixie.

Nachts ziehen die schweren Roadtrains vorbei. Sie rattern und rumpeln gespenstisch durch das endlose Outback und meine dünne Zeltwand. Immer wieder schrecke ich hoch. Irgendwo im Gras zischelt es verdächtig. Krokodile sind es wohl kaum – ein Glück sind wir im Landesinneren.

Nach der unruhigen Nacht strahlt der Himmel wieder so azurblau, wie es nur Australien kann. Ich krieche langsam aus dem Zelt und strecke mich in der Morgensonne. Hundert Meter entfernt steht ein atemberaubend schöner Baum – ein Boab, ein bottle tree. Sein Anblick entschädigt mich für alle nächtlichen Qualen. Da stößt ein Schwarm Papageien aus dem Baumwipfel hervor – hecktisch suche ich den Auslöser und…

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Boab Morning

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Boab – BaobabLarrkardiy? Ein Baumgemüse!

Der Boab ist artentechnisch mit dem afrikanischen Baobab, dem Affenbrotbaum, verwandt. Während der Trockenzeit schmeißt der Boab seine Blätter komplett ab, die ihm dann ab September wieder wachsen. Die bottle trees wachsen ziemlich langsam, deshalb sind viele von ihnen schon sehr alt.

Der Boab ist nicht nur ein Fest für die Augen und die Phantasie, lecker soll er auch noch sein. Allerdings wusste ich das damals noch nicht, sonst hätte ich auf jeden Fall probiert! Fast alle Baumteile sind essbar, die Wurzeln werden als Delikatesse auf dem Markt von Kununurra verkauft. Sicherlich schätzten die Aborigines des Kimberley den Boab schön immer, weil er so nährstoffhaltig ist. Aber nicht nur deshalb – sie sagen ihm außerdem eine spirituelle Präsenz nach und nennen ihn liebevoll larrkardiy. So nahe mit der Natur verbandelt, wissen oder wussten die Aborigines alle Teile des verehrten Baumes zu benutzen. Neben den Wurzeln sind auch die Samen essbar, die innere Rinde kann man zu Seilen spinnen, die Früchte kann man roh oder gekocht essen, aus den leeren Samenhüllen lassen sich wunderbar zum aufbewahren von Kleinigkeiten nutzen.

 Highway 1 oder Gibb River Road?

Meine wunderbaren Mitfahrer – ganz einfach habe ich eine Mitfahrgelegenheit in Broome finden können, zwei Deutsche und ein Kanadier – drehen die Musik voll auf. Es läuft das grandiose Reggaealbum der Easy Star All Stars: Radiohead auf jamaikanisch (hier zu hören). Die Verballhornung gefällt mir, obwohl ich das Orginal abgöttisch schätze.

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Und weiter geht es auf dem Highway 1, die einzige Alternative zur Gibb River Road. Die GRR führt mitten durchs unberührteste Kimberley. Outback ohne Vergleich. Leider ist sie größtenteils nicht asphaltiert – wenn man nur vier Tage Zeit hat um von Broome nach Darwin zu kommen und noch dazu keinen Four-wheel drive unterm Hintern, kann man sie leider vergessen. Oder glücklicherweise – denn sonst wäre es dort wohl längst nicht mehr so naturbelassen und unberührt. Trotzdem nehme ich mir vor, mir diese besondere Straße bei meinem nächsten Besuch in WA – mit mehr Geld und hoffentlich mehr Zeit – nicht entgehen lassen. Fingers crossed.

Die Tour ist nicht ganz ohne. Im Blog erlebe-fernreisen.de gibt’s Bilder und Berichte.

Detouring: The Grotto bei Kununurra

Einige Kilometer östlich von Kununurra trifft die Gibb River Road wieder auf den Highway No. 1. Die Luft brennt, obwohl sogenannter Winter ist. Oder ehergesagt: Trockenzeit. Die beste Zeit für Nordaustralien. Dennoch sehnen wir uns nach Abkühlung. Da kommt The Grotto wie gerufen. Der fancy Name steht für eine breite Felsspalte mit Wasserloch, in dem auch gebadet werden kann. Ab geht’s also erstmal in Richtung Wyndham, dann nach rechts in Richtung The Grotto. Kununurra kann noch warten.

Auf dem zehnminütigen Fußweg vom Auto zum kleinen Canyon begegnet mir dieser siamesische Zwillingsbaum. Die beiden fassen sich an den Händen und tanzen einen Walzer.

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CIMG5925Über eine steile Steintreppe führt ein Pfad durch rotbraunes Geröll und mächtige Felsen tief hinab in den Canyon. Selbst hier am Abhang können die lustigen Boabs wuchern. Viel Erde brauchen sie wohl nicht zum wachsen.

Unten angekommen ist es angenehm kühl und fast etwas muffig. Die Sonne kommt nur zu bestimmten Tageszeiten in einige Ecken, in anderen herrscht Dauerschatten. Wasser tropft von den Wänden, so dass sich an manchen Stellen Moos gebildet hat, ein bisschen wie eine Tropfsteinhöhle, nur in grün. Die Baumwurzeln krallen sich so artistisch an den Felsen fest wie ich es nur aus dem Ta Prohm Tempel in Angkor/Kambodscha kenne.

Definitiv ist The Grotto ein ganz besonderer Ort in dieser trockenen Gegend. An ihrem Wasser werden sich sicher schon einige Tiere und Menschen gelabt haben, die durch den Outback irrten.

Die Gesteinsschichten wären ein Paradies für Geologen: Ganz deutlich heben sich die Sedimente voneinander ab, mal dick mal dünn. Mal rötlich, eisenhaltig, mal schwarz angelaufen. Die steile Felswand spieget sich in der ruhigen Wasserfläche.

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Eine halbe Autostunde weiter nördlich erreicht der Great Northern Highway sein Ende – Wyndham.

Alles was es hier gibt ist ein unansehliches Riesenkrokodil, Industrie, einen Hügel mit Sunsetwatch-Garantie (empfehlenswert) und eine rostiges altes Züglein zwischen stummeligen Boabs.

CIMG5878Das Meer färbt sich rotgelb. Es wird früh Nacht hier. Die Dunkelheit fällt förmlich vom Himmel. Gleich haben die sexy Stirnlampen wieder ihren großen Auftritt.

Morgen wollen wir weiter bis Katherine oder Pine Creek im nächsten Staat: dem Northern Territory.

CIMG5895Gefällt dir der Artikel? Hast du was zu meckern? Ganz gleich – in die Kommentare!

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